Vollbeschäftigungsniveau in greifbarer Nähe

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Arbeitsmarktökonomen sprechen ab einer Arbeitslosenquote von 4 % von Vollbeschäftigung, da es in der historischen Betrachtung kaum Zeiträume gab, wo dieser Wert dauerhaft unterschritten werden konnte. Das liegt zum einen an Volatilität des Arbeitsmarktes selbst, getrieben vom technischen Fortschritt, der ständig neue Fähigkeiten und Kenntnisse fordert die nur mit zeitlichem Nachlauf durch die Bildungssysteme zur Verfügung gestellt werden können und zum anderen an dem Arbeitsplatzwechselverhalten der Arbeitnehmer und dessen Qualifizierungswillen. Das bedeutet, selbst bei einer theoretisch anzunehmenden Unternehmensinsolvenzquote von Null und ausreichendem Arbeitsangebot würde sich keine absolute Vollbeschäftigungsquote von 100 % einstellen.

Grevesmühlen hat zum 30. September 2018 mit einer Arbeitslosenquote von 4,5 % defacto Vollbeschäftigung erreicht. Der Geschäftsbereich Hagenow folgt mit 5,1 % auf Platz zwei, was noch einmal eine Verbesserung von 0,1 % - Punkte zum Vorjahr bedeutet.

Auffallend ist, dass der Arbeitsmarkt in Bezug auf die freien Arbeitsplätze aktuell nicht mehr wächst. Die Arbeitgeber meldeten im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 513 freie Stellen weniger der Agentur als noch vor einem Jahr.

Dafür gibt es zwei plausible Erklärungsmöglichkeiten, 1. aufgrund der fehlenden Fachkräfte setzen die Unternehmen verstärkt auf Rationalisierung und Digitalisierung oder 2. die zur Zeit bestehende diffuse Welthandelspolitik in der sich der Exportweltmeister Deutschland zunehmender Kritik an seinem erwirtschafteten Exportüberschuss gegenüber sieht, beginnt die Geschäftsaussichten auch der in Westmecklenburg international aufgestellten Firmen einzutrüben, was sie zu vorsichtigerem Handeln bezogen auf ihre Unternehmensinvestitionen veranlasst.

Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beiden Faktoren mit einer stärkeren Gewichtung für das erste Argument, wenn man die letzten Konjunkturbarometer der Industrie und Handelskammern zu Rate zieht.