Alte Urkunde strahlt in neuem Glanz

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Die auf Pergament geschriebene Urkunde ist vor allem jenen bekannt, die sich für die Ursprünge der Stadt Hagenow und der umliegenden Gemeinden interessieren. Dabei ist der aus dem Jahr 1194 stammende „Isfriedsche Teilungsvertrag“ das zentrale Dokument in der frühen Geschichte der Region.

Heute wird er im Landeshauptarchiv in Schwerin aufbewahrt. Aufgrund eines Schimmelpilzbefalls befand sich das Schriftstück jedoch in einem schlechten Zustand. Ein engagierter Bürger der Stadt Hagenow regte die Restaurierung dieses wertvollen Zeugnisses der Regionalgeschichte an. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung Hagenow, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Hagenow, den Gemeinden Toddin und Pätow-Steegen sowie dem Museum Hagenow gelang nun die Wiederherstellung und Konservierung der Urkunde. Im Rahmen dieser Maßnahme wurden zudem fünf detailgetreue Replikate der Urkunde angefertigt. Die Restauration der Urkunde war ein sehr langwieriger Prozess, der fast drei Jahre gedauert hat. Daran ist die Corona-Pandemie nicht ganz unschuldig. Spezialisten aus Berlin und Potsdam haben die Urkunden mit viel Fachverstand und Akribie hergestellt. Durch die Reproduktion konnte die im Landeshauptarchiv im Original verwahrte Urkunde somit auch vor dem Verfall bewahrt werden. Denn die Originalurkunde musste erst in den Zustand der Reproduzierbarkeit versetzt werden. Die Kosten ohne Bilderrahmung betrugen insgesamt 2.700,00 Euro. Die Kosten werden von allen Beteiligten zu gleichen Teilen getragen.

Am 17. August 2022 konnten die gerahmten Kopien an die Mitwirkenden überreicht werden. Auf dem Museumshof konnten sie zudem mehr über die Hintergründe der „Geburtsurkunde“ von rund 20 Ortschaften und Gemeinden in Westmecklenburg und im Kreis Lauenburg erfahren. Die meisten der aufgelisteten Dörfer wurden hier erstmalig erwähnt. Entstanden ist die mittelalterliche Urkunde infolge eines Streits um steuerliche Einnahmen zwischen Isfried, dem Bischof von Ratzeburg und dem Domkapitel. Der Teilungsvertrag schrieb die Einigung über die Neuverteilung der Güter fest: Hier führten die vereidigten Schiedsrichter den Anspruch des Domkapitels auf die Anteile aus den Ländereien (der Hufen), der Pacht (des Zinses) und weitere Zahlungen auf. Zum Kirchspiel Hagenow („parrochia Hachenowe“) gehörten der eingegangene Ort Merkrade („Merchrade“) sowie Toddin („Todin“) und Pätow („Puthechowe“); es zählte damals zum Land Wittenburg. Somit blicken diese Ortschaften auf eine mindestens 828-jährige Geschichte zurück.

Es zeigt sich, dass durch gemeinschaftliches Engagement der Bürger und den weiteren Beteiligten durchaus einiges bewegt werden kann.

Das sollte Mut für die Zukunft machen.

©-Text: Andrea Kaufmann, Thomas Kühn und Roland Hochgesandt

Feierliche Übergabe der reproduzierten Urkunden auf dem Hof des Museums Hagenow (Foto: H. Gawlick)